Schreibblockade überwinden

Der Cursor auf dem Bildschirm blinkt. Und blinkt. Und blinkt. Immer an der gleichen Stelle, es geht keinen Millimeter nach rechts. Vor dir: eine unbeschriebene Seite. In dir: Ärger, Stress, das Chaos. Dein Text soll endlich raus da – aber wie? Ob Unternehmerin, Bloggerin, Schriftstellerin, Drehbuchautorin, PR-Frau oder Journalistin: Ab und an erwischt sie jeden, der sich in geschriebenen Worten mitteilen möchte: die Schreibblockade. Hier verrate ich dir sieben Tipps, mit denen du eine Schreibblockade überwinden kannst und endlich mit deinen eigenen Worten sichtbar wirst.  

#1 Schau genau hin: Was blockiert dein Schreiben?

Du hast dir die Messlatte hochgelegt, extrem hoch. Und jetzt traust dich noch nicht einmal mehr, Anlauf zu nehmen, geschweige denn abzuspringen auf deinem Weg.

Perfektionismus ist eine der häufigsten Ursachen für eine ausgewachsene Schreibblockade. Was hilft ist, sich seines eigenen Anspruchsdenkens bewusst zu werden – und dieses zu hinterfragen: Hängt dein Schicksal und Renommee als Unternehmerin wirklich an diesem einzelnen Text fest? Ist es wahr, dass du ausgelacht und verspottet werden wirst, sobald du nur auf den „Veröffentlichen“-Button klickst?

Wie absurd es ist, auf solch ein Gedankenkarussell aufzuspringen, merken wir meist erst, wenn wir uns anschauen, was unserer kreative Kraftquelle blockiert. Außer dem Perfektionismus kann das zum Beispiel die Angst sein, sich mit einem bestimmten Thema zu zeigen, eine Meinung zu äußern, die möglicherweise auf Kritik stößt.

Was ich in mehr als 20 Jahren professionellen Schreibens gelernt habe, ist: Der meiste Stress, den wir beim Schreiben empfinden ist, liegt in uns. Sobald wir genau hinsehen, verschwindet auch die Ursache unseres Blocks, wir können die Schreibblockade überwinden.

#2 Schreibblockade überwinden: Wie würdest du’s einer Freundin erklären?

Wenn wir etwas aufschreiben wollen, was uns wichtig ist, dann verkrampfen wir oft mehr als uns lieb ist. Bringen komplizierte Schachtelsätze und lauter Substantivierungen zu Papier anstatt unsere ureigene, natürliche SCHREIBstimme. Hilfreich kann es deshalb sein, zunächst auf die SPRECHstimme umzuschwenken.

Was heißt das konkret? Stell dir vor, du würdest dein Thema einer Freundin oder einem Freund erklären. Oder bessern noch: einer lieben Kundin oder einem lieben Kunden, der dir gegenübersitzt. In einem vertrauten Rahmen mit dir wohlgesonnenen Menschen fällt es dir viel leichter, dein Thema auf natürliche Art und Weise zu präsentieren. Konkrete Beispiele zu finden statt dich hinter imponierenden Worthülsen zu verschanzen.

Du kannst diese Übung alleine durchführen: Dann nutze einfach die Diktierfunktion deines Mobiltelefons und spreche deinen Text so ein, als säße dir ein vertrauter Zuhörer gegenüber. Einen noch stärkeren Effekt erzielst du, wenn du dich tatsächlich mit einem Gegenüber zusammensetzt. Filme euer Gespräch oder nimm es als Audio auf. Und erlaube deinem Partner ruhig, Rückfragen zu stellen. Denn oft hilft dir ein solches Nachhaken, dein Anliegen noch stärker auf den Punkt zu bringen oder mit einem konkreten Beispiel zu illustrieren. Am Ende tippst du euren Dialog ab – et voilà: Der erste Entwurf deines Texts ist schon fertig!

Als freie Autorin habe ich übrigens meine Texteinstiege für das Schliersee Magazin Online schon ein paarmal abgeändert, nachdem ich einen Aufsager für das begleitende Video eingesprochen hatte. Denn je näher ich an meiner eigentlichen Sprechstimme bin, desto intuitiver, authentischer und verständlicher wird auch mein Schreiben.

#3 Klapp den Computer zu: Texten für alle Sinne.

Wenn gar nichts mehr geht, ihr kurz davor seid, euren Heldin-im-Text-Umhang an den Nagel zu hängen, dann hilft es, aus der eigentlichen Schreibsituation rauszugehen. Den Stift wegzulegen, den Computer runterzufahren. Und die eigene kreative Sinnlichkeit wieder auf Trab zu bringen. Besonders gut helfen mir dabei Analogien, die alle meine Sinne ansprechen:

  • Wenn dein Text eine Farbe wäre – welchen Ton würdest du wählen?
  • Wenn dein Text eine Person wäre – wie würdest du sie beschreiben?
  • Wenn dein Text eine Zeichnung wäre – läge da ein feines Aquarell oder eine dicke Tuschezeichnung?
  • Wenn dein Text ein Gefühl wäre – was bewirkte es in dir und wo könntest du es spüren?
  • Wenn dein Text ein Ort wäre – wie sähe er aus?
  • Wenn dein Text ein Lied wäre – wie klänge es in dir?
  • Wenn dein Text ein Buch wäre – wie sähe das Cover aus?
  • Wenn dein Text ein Duft wäre – wonach würde er riechen?

Je nachdem, welche Sinneseindrücke dir gerade besonders nahe sind, kannst du diese Fragen für dich und deinen Text individuell abwandeln – und so deine Schreibblockade überwinden. Und natürlich kannst du auch einige der Anregungen tatsächlich umsetzen. Etwa die Hauptaussage deines Texts in eine Zeichnung packen, mit einer Mindmap skizzieren oder als Moodboard visualisieren.

Der Name meines Business ist mir zum Beispiel en passant beim Visionboard kleben eingefallen. Und erst beim x-ten Blick auf die bunte Pappe fiel mir auf, dass die Essenz meiner Idee schon da war. Dass das Kind einen Namen hatte. Einen, den ich mit schwarzem Edding ins Zentrum meines Papiers geschrieben hatte: HALLO HELDIN! 

#4 Vergiss Metathemen, denke micro.

A propos Vision: Wenn es darum geht, das eigene WARUM herauszukitzeln, den Sinn unseres beruflichen Daseins zu enthüllen, heißt es oft: „Denke groß!“ – „Denke klein!“, sage ich, wenn es darum geht, ein überschaubares, konkretes und im besten Falle nutzwertiges Thema für dein Publikum zu wählen. Wenn du ins Schreiben kommen willst, dann denke winzigklein. Wirklich micro.

Denn in der Regel schreibst du NICHT: „Organisationsentwicklung – das Standardwerk“.

SONDERN einen Text à la: „X konkrete Maßnahmen, mit denen ich Team Y den entscheidenden Impuls für mehr Kreativität/Produktivität/Agilität/ … gegeben habe“.

Du schreibst NICHT: „Life Coaching – von A bis Z“

SONDERN: „Meine Methode X, mit der ich sofort mehr Zufriedenheit/Achtsamkeit/Mut/ … in mein Leben lasse.“

Auf diesem Blog ist es mir schon zwei Mal passiert, dass ich erst beim Schreiben gemerkt habe, wie komplex eigentlich das Thema ist, das ich mir selbst gestellt habe. Daraufhin sind meine Mini-Serien entstanden zu den Themen „Über-mich-Seite für Heldinnen“ und „Von der Medienarbeit gelernt“.

Denn unser Publikum kann mehrere konkrete Beispiele viel besser verdauen als ein riesiges, unüberschaubares und noch dazu abstraktes Thema. Fragen, die du dir stellen kannst, um „micro“ zu werden statt „meta“, sind zum Beispiel:

  • Welche Unterthemen verstecken sich hinter meiner Überschrift?
  • In welche konkrete Schritte kann ich einen Prozess aufteilen?
  • Was ist ein Kundenbeispiel, das mein Thema illustriert?
  • Was ist eine Anwendungssituation für die Methode, die ich vorstellen möchte?
  • Kann ich ein lokales oder persönliches Beispiel aufzeigen für einen globalen Trend?

Gerade die letzte Frage ist wichtig für dich als Heldin im Business. Denn immer dann, wenn du von dir selbst und deiner eigenen Geschichte ausgehst, bist du besonders authentisch und überzeugend. Dann hast du auch wirklich „was zu sagen“ – und zu schreiben natürlich 😉

#5 Erstelle eine Gliederung. Und fülle sie nach und nach mit Inhalt.

„Jetzt aber Fleisch an die Rippen!“, war der Lieblingsspruch meines alten Deutschlehrers. Kein schönes Bild, aber ein guter Ratschlag: Denn wenn wir die „Rippen“ unseres Texts kennen, haben wir eine feste Struktur, auf die wir aufbauen können. Wie bei „Micro vs. Meta“ hilft es ungemein, in Zwischenschritten bzw. Zwischenüberschriften zu denken.

Der Vorteil der guten alten Gliederung ist doch: Du hast damit deine Gedanken vorstrukturiert, gibst deinem Text einen roten Faden – und kannst ihn dann nach und nach mit Inhalten befüllen. Und zwar immer dann, wenn du eine ganz besonders gute Eingebung hast, ein schönes Beispiel, was deinen einzelnen Punkt illustriert.

Du kommst an einer Stelle nicht weiter? – Macht nichts, setze einfach an einem anderen Abschnitt an! Denn so bleibst du im Flow und musst den kreativen Prozess des Schreibens nicht unnötig unterbrechen. Exakt nach dieser Methode ist übrigens auch dieser Text entstanden. Hättest du es gemerkt?

#6 Schau auf deine innere Heldin, nicht auf andere.

Der Blick auf die eigene Branche kann spannend sein. Und zu AHA-Momenten führen wie: „Huch, ich mach’ das ja ganz anders!“ Oder auch: „BÄM, da sagt sie was!“ Auch ich schaue ab und an sehr gerne, was Kolleginnen und Kollegen machen. Welche Ideen und Ansätze ich spannend finde – und welche eben nicht zu der Heldin in mir passen.

Problematisch wird es allerdings, wenn die Einflüsse von außen lauter werden als die eigene innere Stimme. Erst neulich habe ich wieder mit einer Unternehmerin gesprochen, die vor lauter Außensicht den Blick auf das verloren hatte, was sie selbst ausmacht: die Essenz ihrer eigenen Geschichte. 

Häufig passiert das, wenn wir etwas besonders gut machen wollen. Oder wenn wir uns rückversichern wollen, dass wir nicht „total daneben liegen“ mit unseren Aussagen – wobei: Was ist schon daneben? Wenn wir denken, wir müssten schnell noch ein, zwei Standardwerke mehr zu unserem Thema lesen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem mehr Wissen nicht zu mehr Klarheit führt, sondern zu ultimativer Verunsicherung.

Deshalb empfehle ich dir: Wenn du deine Schreibblockade überwinden willst, dann konzentriere dich ganz auf dich selbst. Lege die Fachbücher beiseite, und schalte Trello aus. Lass die Ergebnisse deiner Google-Suche außer Acht und deinen Social Media Feed sowieso. Trau dich und schreib einfach los – ohne nach rechts und links zu gucken. Denn all das, was dich und mich zur Heldin macht, ist schon da. Wir müssen es nur erkennen. Und davon erzählen.

#7 Fang einfach an: Das Internet ist keine Steintafel

„Writing about a writer’s block is better than not writing at all“, wird der US-amerikanische Schriftsteller Charles Bukowski zitiert. Und er hat Recht: Die richtigen Worte, die schönen Sätze, die wunderbaren Formulierungen – sie alle kommen nach und nach zu dir, wenn du dich in den Strom des Schreibens schmeißt. Sie kommen nicht zu dir, wenn du auf den perfekten Moment, die beste Inspiration wartest.

Was mir persönlich immer hilft, um mich enorm zu entspannen: Im Internet-Zeitalter kannst du eigentlich nichts falsch machen. Denn deine Wörter werden nicht in eine Steintafel gemeißelt und müssen schon beim ersten Mal für die Ewigkeit sitzen. Deine Texte werden (erstmal) nicht als Standardwerk in Millionenauflage gedruckt – so dass jede ungeschickte Formulierung, jeder Tippfehler für immer in den Bücherregalen der Welt auffindbar ist.

Im Gegenteil: Eine Website ist quasi die Urform eines living document. Ein Text, der immer nur einen aktuellen Gedankenstand abbildet, der veröffentlicht und anschließend überarbeitet werden darf. Ergänzt. Und konkretisiert. Gekürzt und wieder verworfen. Seit ich diese Website hier im vergangenen Sommer online gebracht habe, sind schon einige Unterpunkte dazu gekommen, andere wieder verschwunden. Denn nur so gibt es echten Fortschritt: durch’s tun – und sich trauen!

Gruppenpower gegen Schreibblockade? Wenn du mit deinen Texten im Internet zu Hause bist und dein Publikum mit authentischen Inhalten begeistern magst – dann komm in meinen Kurs „Texten fürs Web“. Mit Praxisbeispielen, Übungen und Einzelfeedbacks erschaffen wir deinen zukünftigen Lieblingstext.


Jetzt konnte ich dir hoffentlich ein wenig helfen beim Schreibblockade überwinden? Und freue mich schon jetzt darauf, deine Heldinnen-Geschichte zu lesen!

Und nicht vergessen: In jeder Solo-Unternehmerin steckt auch eine Heldin!